Mit Moos die Büroakustik optimieren

Natürliche, echte Materialien und naturidentische Oberflächen sind seit einigen Jahren der letzte Schrei, wenn es um die Schaffung einer individuellen Atmosphäre in Stores, Hotels, Restaurants, Büros, Spas oder sonstigen Hotspots geht. Dazu zählen auch „Living Walls“. Lebende vertikale Gärten haben im Innenbereich allerdings einen Nachteil: Sie brauchen Pflege. Es gibt aber Alternativen, die zudem akustisch wirksam sind.

Mit Pflanzen, so sagen die Garten- und Landschaftsbauer dieser Republik, werden aus unseren Innenräumen endlich Lebensräume. Das verspricht seit Jahr und Tag auch das Gros der deutschen Büromöbelhersteller den gut 17 bis 18 Millionen Büroarbeitern. Der Vorteil liegt allerdings klar bei den Innenraumbegrünern. Ihnen gelingt tatsächlich, wovon Personaler und Chefs eigentlich immer träumen müssten: ein gutes Klima unter das Dach zu zaubern. Und das, sagen die Vertikalbegrüner, wird dank der Photosynthese von Pflanzen nachweislich besser, weil die permanente Verdunstungsleistung die trockene Heizungsluft mit Feuchtigkeit anreichert und im Sommer Temperaturspitzen ausgleicht. Ein grünes Raumklima trägt dazu bei, zeigt sich die Branche überzeugt, den Krankenstand zu senken und krankheitsbedingte Ausfälle zu reduzieren, wie etwa das niederländische Unternehmen Wallflore unter Berufung von wissenschaftlichen Studien schreibt.

Die neuen Fitness-Studios
Die Hersteller von Feel Good-Mobiliar können da oft nur den Kürzeren ziehen. Grün ist eben Heilfarbe; ein Stuhl ist nur ein Stuhl und für den Tisch gilt das gleiche. Im Gegensatz zu den Anbietern von natürlichen Begrünungssystemen brauchen Büromöbler deshalb die Kraft mathematischer Gleichungen, um Investitionen in eine neue Einrichtung als sinnvoll zu begründen, die das „human capital“ ausgeglichener, produktiver, kreativer macht – kurz besser „performen“ lässt. Und Recht haben die Innenausstatter der Büros durchaus.  Denn unter Arbeits- und Architekturpsychologen gilt es seit langem als ausgemacht, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Raumgestaltung auf der einen und Wohlbefinden wie Leistungsfähigkeit auf der anderen Seite gibt. Kein Wunder, dass die Branche sich aufgemacht hat, die Büros zu Fitness-Centern zu verwandeln, die – und das ist die Paradoxie – immer mehr den eigenen vier Wänden mit Sofas und Lounge Chairs gleichen, weil offensichtlich ein solches Interieur das Beste aus uns rauskitzelt.

Moos hilft auch im Büro
Der Haken an lebenden Wandteppichen ist, dass sie Licht, Wasser, Düngung und Pflege brauchen. Eine Alternative stellte vor ein paar Jahren das österreichische Unternehmen Freund mit seinen Mooswänden vor. Das Moos, das aus dem hohen Norden stammt und mit einer speziellen Rezeptur konserviert wird, reduziert den Pflegeaufwand auf ein Minimum. Es lebt allein von Luftfeuchtigkeit. „Sie können“, sagt Geschäftsführer Josef Freund, „sechs Wochen in den Urlaub fahren und die Mooswand ist immer noch grün.“ Zudem lässt sich das Trägermaterial in beliebige Formen bringen, etwa in Wandbilder, Schriftzüge oder beidseitig beflockte Akustikwände. Die bemoosten Flächen verfügen über eine akustische Wirksamkeit, die bis an die 90 Prozent reichen soll, sagt der Hersteller. Was sie damit als funktionales wie ästhetisches Objekt für den „Open Space“ durchaus interessiert machen könnte, weil sie gleich mehrere Trends unter einen Hut bringen: das Spielen und Kombinieren mit unterschiedlichen Stilen sowie der Trend zu Nachhaltigkeit, natürlichen Materialien und Individualität.

Neue Lösungen in der Pipeline
„Die Materialien sollten ausgefallen sein, im Trend liegen, langlebig, gleichzeitig pflegeleicht sein und diverse Funktionen erfüllen“, glaubt Nina Freund. Im Trend wollen offensichtlich auch immer mehr Unternehmen liegen, die sich für immergrüne Moosbilder und -wände entscheiden. „Das Material wird zwar bislang hauptsächlich im Messebau stärker eingesetzt, um Botschaften zu transportieren, aber wir spüren, dass das Thema Natur in die Arbeitswelt einzieht,“  so Nina Freund. Aktuell realisiert man mit der holländischen Direktbank ING-DiBa ein Pilotprojekt. Herauskommen sollen „schwebende“ Mooswände, die den Raum separieren. In diesem Jahr will das Unternehmen die Einsatzmöglichkeiten der Mooswände im Büro noch erweitern. „Wir werden den Wänden Frischwasser zuführen,“ sagt Josef Freund, „um dadurch eine 45-prozentige Luftfeuchtigkeit zu erzielen.“ Und das soll die Raumtemperatur um 2 bis 3 Grad senken. Erste Gespräche zur Vermarktung des neuen Wohlfühlkonzeptes, sagt der Tüftler, habe er bereits mit Feel Good-Mobiliar-Anbietern geführt. Die Unbedenklichkeitsbescheinigung der Gesundheitsämter hat er schon.

 

 

Die WHO hält Lärm nach Luftverschmutzung für die größte Bedrohung der öffentlichen Gesundheit. Robert Koch glaubte vor mehr als 100 Jahren, dass der „Mensch den Lärm ebenso unerbittlich wird bekämpfen müssen, wie die Cholera und die Pest“. Es ist nicht nur der Straßen-, Schienen- oder Flugverkehr, der uns um den Schlaf und die Gesundheit bringt. Auch Bürolärm, lange Zeit unterschätzt, gilt zunehmend als Ärgernis und Produktivitätskiller. Wer ständig von Gesprächen, klingelnden Telefonen, ratternden Druckern und klappernden Tastaturen gestört wird, kann sich einfach schlechter konzentrieren. Geräuschbelastungen treten vor allem bei modernen offenen Bürolandschaften auf. Aber es gibt Möglichkeiten, störenden Lärm im Büro durch planerische Maßnahmen wirkungsvoll zu „bekämpfen“. Ein Beitrag liefert akustisch wirksames Mobiliar. Alternativen zu schallabsorbierenden Mooswänden oder Moosbildern sind Akustikschränke und Stellwände mit akustisch wirksamer Stoffbespannung. Eine Einführung in das Thema Raumakustik und eine Übersicht, wie man Akustik im Büro positiv beeinflussen kann, gibt die Broschüre „Wohin mit dem Lärm?“ Sie kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: www.koenig-neurath.de/made-in-germany/download-services